Region 8 im Ev. Kirchenkreis Soest-Arnsberg

Klimafreundlich und spirituell im Sauerland wandern

Erstellt am 20.08.2021

Wandergruppe ist dankbar für sechs Tage Urlaub im vielfältigen Sauerland, Schlafen im eigenen Bett, leibliche und geistige Anregungen zur Lebensreflexion.



„Heute Nachmittag bin ich wieder zuhause angekommen. Ich musste erst einmal die vergangene Woche sacken lassen. Die Gruppe, jede/r einzelne von euch, und jeder Tag war mehr als ich erwartet hatte. Ich bin wirklich total erfüllt. Danke für diese Erfahrungen“, diese Rückmeldung einer Teilnehmerin der dritten klimafreundlichen Wanderung bestärken Simone Pfitzner und Kathrin Koppe-Bäumer in ihrer Einschätzung:  Das Konzept dieses Veranstaltungsformats bewährt sich: Begegnungen unterwegs in frischer Luft, die vielfältige Landschaft, die regionalen, saisonalen, wenig Abfall verursachenden  Picknicks sind eine runde Sache, so dass das Angebot auf große Resonanz stößt. Die Referentin für Seelsorge und die Pfarrrein in der Region 8 im Evangelischen Kirchenkreis Soest-Arnsberg haben nun die erste von zwei Wanderwochen durchgeführt.
25 Teilnehmer innen im Alter zwischen 50 und 81 wanderten im August sechs Tage hintereinander im Raum Ramsbeck-Bestwig, Olsberg, Brilon, Marsberg und Medebach. Etwa die Hälfte der Teilnehmenden kannte sich vom letzten Jahr. Dazugekommen waren Wanderfreudige aus Soest, Möhnesee, Bünde, Hattingen, Paderborn und Springe. Nach zwei Tagen waren  alle miteinander in Kontakt gekommen. Sehr persönliche Geschichten wurden im Zwiegespräch ausgetauscht. „Das ist Seelsorge pur", reagierte eine Teilnehmerin. Und eine andere war erstaunt von sich selbst: „Soviel von mir habe ich noch nie einer Fremden erzählt“.
Das Laufen – bergab und bergauf, langsam und schneller -, die Natur an Bächen, mit Wasserfall, dichten Mischwäldern und zerstörten Fichten, Teiche und renaturierte Bäche, weite Ausblicke von Bergen, Magerwiesen mit bunten Blumen, biblische Impulse, Achtsamkeitsübungen und Gespräche mit Menschen aus kleinen Dörfern regten zum Nachdenken und Austausch an. Beim Wandern in der Gruppe lässt sich reden und schweigen, nachdenken und zur Ruhe kommen.
Täglich erwarteten die Teilnehmer* innen mit Heißhunger und Spannung das klimafreundliche Essen, von Dorothee und Ulrich Wenken liebevoll auf zwei Tapeziertischen angerichtet. Sparsam wurden klimabelastende Milch-und Fleischprodukte angeboten. Kreativ nutzte die Köchin die Reste der Vortage. Schalen und Strünke wurden für Saucen und Brühen genutzt.
Spannend war für viele, sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln an die Start- und von den Zielorten weg zu bewegen. „Dass wir das Urlaubsticket der RLG benutzen dürfen, ist ganz toll, und dass ich jeden Abend im eigenen Bett schlafen kann“, lautete ein Kommentar.
„Ich sehe auf zu den Bergen? Woher kommt mir Hilfe?“ Täglich lasen die Leiterinnen den 121. Psalm aus der Bibel vor. Jeweils in einer anderen Übersetzung. So kam es an einem Hang auf dem Olsberger Eisenberg zu einem Austausch über Gottesnamen und was Übersetzungen bewirken.
Ähnlich intensiv tauschte sich die Wandergruppe nach der Begehung des jüdischen Friedhofs in Madfeld aus. Deutsche Geschichte und ihre Folgen berühren bis heute. Uralte Mythen, wie sie auf Obermarsberger Bergen zu sehen sind, rühren eigene Geschichten an.
Im Abschlussgottesdienst in der Kluskirche in Giershagen formulierten einige, was ihnen gefallen hatte: „Die Gemeinschaft, die Impulse, die ausgewählten Routen, die Verpflegung, die Nutzung der Öffentlichen Verkehrsmittel, die Organisation vor und während der Wanderwoche, die Offenheit und Herzlichkeit der Gruppe".
Helmut Geldbach, SGV-Wanderführer und aktiv in der evangelischen Medebacher Kirchengemeinde, sah es so: Simone Pfitzner und Kathrin Koppe-Bäumer bemühen sich darum, „gerade in der heutigen Zeit Menschen unterschiedlicher Herkunft, Mentalität und Glaubens miteinander näher zu bringen, ihnen Hoffnung zu geben, sie zu stärken und zu vereinen“.
Teilnehmende aus Soest, die zum ersten Mal dabei waren, schrieben: „Für uns  war die vergangene Woche eine echte Bereicherung. Auf ein gutes Tourenkonzept hatten wir uns eingestellt, dass die Touren jedoch in so hervorragender Weise mit inhaltlichen spirituellen Beiträgen bereichert wurden, hatten wir nicht vorausgesetzt. Es war rundum gelungen“.

Der Dank der Initiatorinnen geht an viele Menschen und Institutionen, die das Projekt erst möglich machen. Ohne die Menschen, die breit sind Einblicke in ihr Leben, ihr Engagement zu geben, ginge es nicht. Aber genauso wenig ginge es nicht ohne die Unterstützer, die Zeiträume und finanzielle Freiräume ermöglichen. Hier sind neben dem Ev. Kirchenkreis Soest-Arnsberg und dessen Region 8 auch die RLG und das Erzbistum Paderborn zu nennen.


Die einzelnen Tage

Der erste Tag stand unter dem Thema „Lebensraum Wald“. Von Wasserfall bei Ramsbeck aus ging es über die Plästerlegge zum Hundeausbildungsteich an der Elpe, wo drei Jäger*innen Interessantes über nachhaltiges Jagen im Kultur-Natur-Lebensraum Wald berichteten. Dorothee und Ulli Wenken servierten ein klimafreundliches Picknick, das trotz Regen mundete. Zurück ging es an der romantischen Elpe entlang über den Panoramaweg zum Bestwiger Bahnhof.

Am zweiten Tag ging es auf dem Olsberger Eisenberg um Balance. In Bezug auf den eigenen Körper und auf die Kyrillflächen und Erzabbaupingen, die wieder mit frischem Grün bewachsen sind. Renaturierung, Heilung und Resilienz können Ungleichgewicht in der Natur und in der Lebensgeschichte ausbalancieren. Der Olsberger Heimatbund sorgte dafür, dass nicht vergessen wird, wie hart die Bergleute dreihundert Jahre lang im Philippstollen geschuftet haben - 11 Stunden pro Tag nur mit Hammer und Meißel. Da fehlte die work- life - Balance. Was Sebastian Kneipp vom ausbalancierten Leben zB durch Wasser, Nahrung und Heilkräuter vor 200 Jahren dachte, konnte die Gruppe am Wassertretbecken im Olsberger Kurpark begeistert ausprobieren.

Der dritte Tag begann mit  Wolken-Walking. Es ermutigte dazu, Grenzen zwischen Wolken zu überspringen. Beim Wandern von Bredelar nach Madfeld wurde eine kommunale Grenze überschritten, die Wandernden dachten über eigene Grenzen nach und wünschten sich am jüdischen Friedhof Frieden unter allen Menschen, auch wenn sie sich unterscheiden. Das Ehepaar Wenken tischte auf dem Dorfplatz Dinkel-Rote Beete-Minze-Brot mit Zwiebel-Möhren-Apfel-Aufstrich auf. Horst Bickmann, der ehemalige Ortsvorsteher,  erzählte von 1000 Jahren Madfeld, einer versetzten Forstscheune, die zur Dorfscheune wurde und von großem ehrenamtlichem Engagement. Trotz GDL-Streik fuhr die Bahn.

Um Offenheit ging es am vierten Tag. Einblicke in die Erdgeschichte vor 370 Millionen Jahren, damals war der Steinbruch Hengböhl ein Meer, später ein Gebirge. Die Felsen lassen auf ein Massensterben schließen. Eine Bodenspirale forderte auf, Wege nach innen und außen zu gehen, auf dem Kahlen Pön gab es Blaubeeren auf offener Heide und von der Kalid aus weitete sich der Ausblick. Open Mind Places in Referinghausen zeigten, wie offen das Dorf für Neues ist. Am "Sonnenklang" öffnete die Gruppe sich für den Sonnengesang des Franz von Assisi und moderne Architektur. In Düdinghausen in der Pastorenscheune gab es Einblicke in altes Handwerk und leckere Waffeln. Unterwegs begeisterte Horst Frese für Erd- und Menschengeschichten.

Netzwerke und Netzwerken standen im Zentrum des fünften Tages. Die Sonne wurde immer wärmer. Auch in Medelon, wo Helmut Geldbach die Gruppe einen Rundweg über Berge, das kleinste Dorf Medebachs, und den wunderschönen Rastplatz „Im Schwinkel“ bis zurück führte. Tolle Landschaft, duftende Kräuter, Blumen und Käfer an vielen Orten. In Berge erzählte Beate Clement Klütsch vom aktiven Leben im Dorf. Sie erklärte die Kirche und lud zum Singen ein. 13 Apostel, gemalt von flämischen Künstlern, hörten von der Wand aus zu. Beim Picknick waren sogar die Bio-Lageräpfel knackig. Viele genossen die Kühlung im Tretbecken und nahmen das  Angebot einer Teilnehmerin erfreut auf, zu südamerikanischer Musik mit ihr meditativ zu tanzen.

Am sechsten, heißesten Tag der Woche genoss die Gruppe die kühlen Waldwege von Obermarsberg bis zur Kluskirche. Die Sage von Siegfried, der nur an der Schulter verwundbar war, gab an der Drakehöhle Anlass, über gesellschaftliche und individuelle Verwundbarkeit nachzudenken. Einige spürten sie an sich, weil der Weg bis zur Kluskirche länger als erwartet war. Eine vegane und vegetarische Quiche, leckeres Brot, frisches Gemüse und Hefezöpfe mit Rübenkraut erquickten die müde Gruppe, die anschließend in der Kluskirche  einen Dankgottesdienst feierte. Beim Abschied am Bahnhof in Bredelar versprachen viele: „Nächstes Jahr komm ich wieder mit“.